Auf Platz eins des dieses Jahr erstmals erhobenen Schweizer Rankings schaffte es Jean Ziegler. Der 82jährige Soziologe ist seit Jahrzehnten einer der streitbarsten Schweizer. Auf den darauf folgenden Rängen spielen Architekten eine herausragende Rolle. Jacques Herzog, Mario Botta und Santiago Calatrava belegen die Plätze 2 bis 4, Peter Zumthor belegt Platz 15. Einerseits bilden die hohen Platzierungen das internationale Ansehen von Schweizer Architektenbüros ab. Zum anderen haben Architekten einen publizistischen Vorteil durch die Art ihrer Werke: Sie können mehr Projekte bauen als Wissenschaftler Bücher schreiben, und die Medien veröffentlichen viele Artikel über ihre Projekte: vom Ideen-Wettbewerb über Baubeginn, Verzögerungen, Verteuerungen bis zur Einweihung.

Sind Sie bei den obengenannten Namen über Santiago Calatrava gestolpert? Dann können Sie jetzt – wie wir – lernen, dass der international renommierte Architekt zwar gebürtiger Spanier ist, aber auch seit 1998 einen Schweizer Pass besitzt. Aber selbst ohne Schweizer Pass wäre er durch seine Tätigkeit von Zürich aus für die Teilnahme qualifiziert – so wie andere Ausländer, die seit vielen Jahren von der Schweiz aus wirken, etwa die Ökonomen Klaus Schwab (Deutschland) oder Ernst Fehr (Österreich). Entscheidend ist nicht nur die Staatsbürgerschaft, sondern auch der Ort, an dem jemand hauptsächlich tätig ist. In der Liste erscheinen Schweizer, die in der Schweiz wirken, Schweizer, die im Ausland wirken, und Ausländer, die in der Schweiz wirken.

Digitaler Röstigraben

Die Phalanx der Deutschschweizer an der Spitze der Rangliste deutet darauf hin, dass auch Software den Rösti-Graben nicht einebnen kann. Vermutlich ist er sogar eher noch vertieft worden: Wenn eine Vernetzungs-Untersuchung eine überwiegende Mehrheit und eine starke Minderheit analysiert, die zwar viel untereinander, aber wenig mit der anderen Seite kommunizieren, erscheinen die Mehrheits-Netze intensiver und gewichtiger als die der Minderheit. Sprachgrenzen haben sich in allen «Global Thought Leader»-Untersuchungen als relativ undurchlässige Grenzen erwiesen. Selbst wenn diese Sprachbarrieren in der Schweiz weniger Konfliktpotenzial bergen als beispielsweise in Belgien oder Spanien, so führen sie doch zu weitgehend getrennten Öffentlichkeiten.